Einmal Allah und zurück bitte!

Ein Text von Melanie Ketchum:

Ein paar Leute wollten ja wissen, wie ich zum Christentum zurückgefunden habe, nachdem ich fast ein Jahr lang Muslim war. Das Ganze hier ist eigentlich eine ziemlich grobe, vereinfachte Darstellung, die wichtigsten Beweggründe und der ungefähre Ablauf sollen aber im Folgenden mal erklärt werden.  

Mein Ausflug zum Islam       14199319_1187835771274667_3860779526944934587_n

1.) Einleitung

Früher war der Islam mir völlig fremd. Ich komme aus einer teilweise recht streng christlichen Familie und bin auch selbst in diesem Glauben aufgewachsen. Ich wusste damals lediglich, dass Muslime einen ähnlichen Glauben haben wie Christen und die Muslime in meiner Schule erzählten mir, sie würden auch an Jesus glauben. Irgendwann begann ich, mich zu fragen, ob ich aus islamischer Sicht als Christin in die Hölle kommen würde, oder ob wir alle an den gleichen Gott glauben und nur über verschiedene Wege zu ihm gelangen würden. Im Jahr 2013 begann ich, mich näher mit dem Islam auseinanderzusetzen, um diese Fragen zu beantworten.

2.) Der Weg zum Islam

Im Oktober 2015 bin ich schließlich konvertiert, nachdem ich mich etwa 2 Jahre lang eindringlich mit dem Islam auseinandergesetzt und für Rechtleitung gebetet hatte. Diese Entscheidung traf ich aus mehreren Beweggründen.

2.1) Zum einen stellte ich fest, dass der Islam (entgegen meiner vorherigen Eindrücke, die sich nach den ersten Monaten der Islam-Recherche manifestierten) keine totalitäre Kriegsreligion sein muss. Ich entdeckte alternative Auslegungsmöglichkeiten der Schriften und entwickelte ein neues Verständnis dieses Glaubens: Muhammad führte nur Verteidigungskriege (Badr, Uhud, Grabenschlacht, Mutah, Mekka, Hunain), lehrte Feindesliebe, ging (außerhalb des Krieges) barmherzig mit Feinden und Andersgläubigen um, heiratete kein sechsjähriges Mädchen und unterdrückte keine Frauen.

2.2) Ein weiterer Grund war meine Überzeugung, als Christ aus islamischer Sicht verloren zu sein, während andererseits die Entscheidung für den Islam bedeutete, lediglich einen weiteren Propheten anzunehmen. Einfach ausgedrückt: Ich glaubte mich als Anhänger des Islam auf der sicheren Seite, da sich mir aus christlicherer Sicht vielleicht auch als Muslim eine Chance auf das Paradies bieten würde. Schließlich lehrt die Bibel, dass man an Jesus glauben müsse, um gerettet zu werden und als Muslim würde ich noch immer an Jesus als einen von Gott gesandten Propheten glauben – ich würde die Bezeichnung „Gottes Sohn“ bloß im übertragenen Sinne verstehen, ihn nicht als eine von drei Erscheinungsformen Gottes ansehen und die Annahme, er sei zur Vergebung meiner Sünden gekreuzigt worden, ablehnen. (Kleine Anmerkung: Mittlerweile habe ich Römer 10,10 gelesen ^^)

2.3) Mein Hauptproblem war jedoch die Trinitätslehre, mit der ich schon als Christin erhebliche Schwierigkeiten hatte, weil ich sie nie richtig verstehen konnte. Allerdings hatte ich mir als Kind aus einer christlichen Familie zuvor kaum Gedanken um diese Sichtweise gemacht. Die Kirche lehrt es, also musste es stimmen. Doch im Laufe der Zeit und des Älterwerdens beginnt man, die Dinge zu hinterfragen.

Mir fiel bald auf, dass Jesus an keiner Stelle in der Bibel wortwörtlich sagt: „Ich bin Gott, betet mich an.“. Allerdings gibt es durchaus eine Reihe von Versen, die eine Interpretation in diese Richtung initiieren. Auf der anderen Seite stößt man jedoch auch auf diverse Bibelstellen, die darauf hindeuten, dass Jesus nur ein Mensch war. Anhänger der Dreieinigkeitslehre klären diesen Sachverhalt, indem sie keine dieser Verse leugnen – weder die Verse, welche die menschliche Natur Jesu skizzieren und ihn Gott unterordnen, noch die Verse, welche die göttliche Natur Jesu andeuten. Jesus sei dem Vater untergeordnet, aber beide seien Gott. Jesus sei gleichzeitig vollständig Gott und Mensch.


Irgendwann empfand ich dieses Glaubensverständnis immer stärker als ein unverständliches Kirchendogma. Da in bestimmten Versen klar zwischen Jesus und Gott unterschieden wird [z. B. Hebräer 1:3; Johannes 14:28; Lukas 18:18-19; Markus 13:31-32 uvm.] und es in anderen Versen so wirkt, als seien sie gleichgestellt [z. B. Johannes 1:1-14; Johannes 20,28; Philipper 2:5-8 uvm.], sei eine These entstanden, die das Ganze miteinander in Übereinstimmung brachte; ein Kompromiss, um doch recht widersprüchliche Aussagen in der Bibel miteinander zu vereinen, so dachte ich. Und schließlich erschien mir dieser Kompromiss bald schlichtweg zu weit hergeholt. Zu diffus. Zu abstrakt.

Die Trinität war in meinen Augen eine Lehre, die man letztendlich nicht vollständig begreifen könne. Man müsse sie einfach schlucken. De facto gibt es nicht nur zwischen Christen und Muslimen, sondern sogar unter Christen Uneinigkeit darüber, ob Jesus nun tatsächlich Gott ist, oder nur ein Mensch. Da die Dreieinigkeit allerdings einen elementaren Aspekt der christlichen Lehre darstellt, war ich der Ansicht, dass dieser Glaubenssatz auch eindeutig aus der Bibel hervorgehen müsse und nicht erst solche Interpretation erfordern dürfe. Die Idee: Als sich nach und nach unter Christen diese Uneinigkeiten entwickelten und die wahre Lehre von Jesus mit der Zeit verfälscht wurde, klärte Gott die Menschen (unter anderem) über diese Problematik auf: Er schickte den letzten Propheten Muhammad und teilte uns mit, dass die Trinität eine Irrlehre sei (Sure 5:73). 


Während der Qur’an also von sich selbst sagt, dass er keine Widersprüche und keine Fehler enthalten dürfe, da er sonst nicht von Gott wäre (Sure 4:82), und dem Christentum eine in meinen Augen widersprüchliche Lehre zugrunde lag, erschien die Entscheidung für den Islam als die klügere Wahl. Ich habe nie geglaubt, die Bibel sei insofern verfälscht worden, als dass irgendjemand die Texte absichtlich umgeschrieben hätte. Ich vertrat bloß die Ansicht, dass die Menschen die Bibel, bei der es sich nicht um eine einfache, einheitliche, unmittelbar durch die Propheten selbst überlieferte Offenbarung, sondern viel mehr um eine Sammlung von verschiedenen Büchern, historischen Berichten, Gedichtesammlungen und Briefen handelt, die in einem Zeitraum von etwa 1500 (?) Jahren aufgeschrieben wurden und deren Autoren nicht sicher bekannt sind, sodass die Annahme, es könnten sich dort diverse Fehler eingeschlichen haben, nicht allzu weit hergeholt wirkt, im Hinblick auf ebendiese Fehler zum Teil falsch interpretieren würden (Wow, das war ein ziemlich langer Satz ^^).

Der Qur’an hingegen stellte für mich das direkte Wort Gottes dar, durch den Propheten verkündet, von vielen Menschen auswendig gelernt (worin ich einen guten Schutz gegen Verfälschungen sah) und aufgeschrieben, also keine historischen Berichte über Begebenheiten, wie in der Bibel, sondern das unmittelbare Wort Gottes.

3.) Die Probleme mit dem Islam

3.1) Mögliche Fehler, ungeklärte Fragen
Natürlich erscheint die Idee einer absolut logischen Religion ohne Fehler und Widersprüche überaus attraktiv. Doch was, wenn eine Religion, die solches für sich beansprucht, diesem Anspruch doch nicht gerecht würde? Folgendes hatte ich in dieser Gruppe bereits unter einem anderen Beitrag angesprochen, ich möchte es hier jedoch noch einmal erwähnen, da es einen Beitrag zu meiner Entscheidung für das Christentum geleistet hat:


Der Qur’an beschreibt (Sure 5, Vers 116), die Trinität bestünde aus Jesus, Gott und Maria, was nicht stimmt. Der Qur’an beschreibt, (Sure 9, Vers 30), Esra werde von Juden als Gottes Sohn angesehen, was nicht stimmt. Der Qur’an beschreibt (Sure 2, Vers 111) Juden würden sagen, niemand werde in den Paradiesgarten eingehen außer, wer Jude sei, was der jüdischen Lehre, derzufolge auch ein Nichtjude einen Anteil an der “kommenden Welt” erhalten könne, sofern er sich an die Noachidischen Gebote halte, widerspricht.

Keine Erklärung, die ich zu diesen Punkten finden konnte, hat mich überzeugt. Es mag auf andere Muslime überzeugend wirken, diesen Sachverhalt zu klären, indem man bspw. davon ausgeht, diese Verse würden sich bloß auf bestimmte Splittergruppen zur Zeit des Propheten beziehen, welche in der heutigen Zeit keiner mehr kennt, doch diese unbelegte Ausrede kann meines Erachtens nicht jedes Mal dafür herhalten, wenn offenkundig falsche Aussagen über andere Glaubenslehren getroffen werden. Auch meinen manche Muslime, Sure 5:116 würde sich gar nicht auf die Trinität beziehen, doch bliebe dann trotzdem die Fehlannahme bestehen, Christen würden sich neben Gott und Jesus auch Maria zu einem Gott nehmen. Kein Christ, kein Katholik sieht in Maria einen Gott oder betet zu ihr auf die gleiche Weise, wie zum Vater und zu Jesus.

3.2) Interpretationen
Ein weiteres Problem sah ich darin, dass mein Verständnis des Islam ein etwas Unkonventionelles zu sein scheint. Strafen wie Peitschenhiebe und Steinigungen lehne ich ab und halte sie (auch jetzt noch) für unislamisch. Da die Durchführung solcher Strafen vier Zeugen erfordert, erscheinen mir die Bedingungen dafür nahezu unerfüllbar und ich bin davon überzeugt, dass die Schwere dieser Strafen bloß die Schwere der ihr zugrundeliegenden Sünden verdeutlichen sollen.

Auch die Todesstrafe für Apostasie lehne ich kategorisch ab, da ich glaube, dass Muhammad die Apostaten zu seiner Zeit nicht töten lies, weil sie vom Glauben abgefallen waren, sondern weil sie sich seinen Kriegsfeinden angeschlossen und damit Hochverrat begangen hatten. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass Muhammads Frau Aisha bei der Heirat nicht erst 6 (bzw. beim Vollzug der Ehe erst 9) Jahre alt war. Hinsichtlich sämtlicher Überlieferungen und Aufzeichnungen gehen die Schätzungen im Bezug auf Aishas Alter seitens einiger Historiker weit auseinander und reichen sogar von 9 bis zu 19 Jahren.

Nun vertreten allerdings relativ viele Muslime zu all diesen Themen andere Ansichten als ich und man wird ja schnell als Abtrünniger abgestempelt, wenn man z. B. (einige) Hadithe leugnet o. ä. Ich musste mir irgendwann die Frage stellen, ob ich den Islam einfach bloß sehr modern und westlich auslege. Diese Frage konnte ich bisher nicht sicher beantworten, doch das Problem bleibt letzten Endes bestehen: Der Islam kann auf völlig unterschiedliche Weise interpretiert werden. Manch ein Muslim glaubt nicht an die Hölle.

Manch einer glaubt, es gäbe eine Hölle, aber Juden und Christen kämen nicht dorthin. Manch einer glaubt, dass alle Juden und alle Christen in die Hölle kommen. Manche glauben an die Hadithe, manche glauben nur an manche Hadithe, manche lehnen alle Hadithe ab. Manche befürworten Todesstrafen, manche stellen sich dagegen. Manche radikalisieren sich und werden zu Terroristen, manche sind überaus friedliche, tolerante, liebenswürdige, herzensgute Menschen. Und fast jeder Standpunkt kann durch Qur’an (und/oder Sunna) belegt werden.

Worauf ich hinaus will: Der Islam bietet einen enorm großen Interpretationsspielraum. Natürlich tun das bis zu einem gewissen Grad auch andere Religionen, auch das Christentum. Natürlich gibt/gab es auch Verbrecher, die sich Christen nennen/nannten und die glauben/glaubten, ihre Gräueltaten in Gottes Namen zu begehen. Doch ist die Bibel zweifelsfrei besonders hinsichtlich des Fokus auf Jesu Lehren über Nächsten- und Feindesliebe im neue Testament sehr viel eindeutiger als Qur’an und Sunna. Der Islam lässt sich sehr viel einfacher zur Rechtfertigung schlechter Taten missbrauchen, aber kein Mensch kann sich auf Jesus berufen, um einen Ehebrecher oder einen Apostaten zu töten (Sahih Al-Bukhary Nr. 6922 und Sahih Muslim 1676) oder einen Unzüchtigen mit der Peitsche zu schlagen (Sure 24,2).

Jeder mag seine eigene Meinung über die Lehren von Jesus und Muhammad haben, aber die Lehre Jesu Christi ist in meinen Augen perfekt und vollkommen. Von einer Lehre, die nach ihm kommt, würde ich erwarten, dass sie eindeutig genug ist, um die perfekte christliche Lehre nicht wieder aufzuheben und keine Rückschritte zu vollziehen.

3.3) Gesetze
Was für mich persönlich zunächst ein starkes Argument für den Islam war, hat sich inzwischen ins Gegenteil gewandt: Die Anforderungen, welche gläubige Menschen erfüllen müssen, um Gott zu gefallen. Es erscheint zunächst logisch, dass der Islam hier vorn liegt, da er den Menschen ein sehr gottesfürchtiges Leben vorschreibt, während Christen weniger Lasten aufgeladen werden. Inzwischen bin ich zu der Ansicht gelangt, dass der erste Anschein hier ein Trügerischer ist.

3.3.1) Der Islam
Qur’an und Sunna verlangen von den gläubigen Menschen, sich an viele und teilweise äußerst strenge Gesetze zu halten. Zunächst gelten das Fasten, das Entrichten der Almosensteuer, das Verrichten der fünf täglichen rituellen Gebete und die Pilgerfahrt nach Mekka als verpflichtend. Der Ablauf der Pflichtgebete ist dabei genau vorgeschrieben. Außerdem müssen Muslime sich vor den Gebeten streng nach Vorschrift waschen und es gibt klare Kleidungsvorschriften, sowohl für das Gebet, als auch für den Alltag.

Und damit nicht genug: Das Zupfen der Augenbrauen (Al-Bukhary 5931, Muslim 2125) und das stellenweise Rasieren des Kopfes (Al-Bukhary 5466, Muslim 3959) ist verboten. Zusätzlich darf man nicht in das Essen oder das Trinken pusten, um es zu kühlen (Sahih Al-Bukhary Nr. 5630; Sahih Muslim 267). Man muss sich nach dem Verrichten der Notdurft gründlich reinigen, weil man sonst nach dem Tod in seinem Grab dafür bestraft wird (Al-Bukhary, Muslim). Man darf sein Geschlechtsteil nicht mit seiner rechten Hand anfassen und sich auch nicht mit der rechten Hand reinigen (Al-Bukhary, Muslim) und nachdem man sich gereinigt hat, verlässt man den Ort der Notdurft mit dem rechten Fuß (Überliefert bei Abū Dāwād,At-Tirmīdhī, Ibn Madschah, Al-Hakim und von Al-Albānī als „Sahīh“ eingestuft). Man soll möglichst nicht im stehen trinken (Muslim 5275) und nicht auf dem Bauch schlafen, weil Gott dies verabscheut (Abû Dâwûd). Und für viele gelten Musikinstrumente als verboten (Al-Bukhary Nr. 5590).


Ich möchte nebenbei bemerken, dass ich natürlich nichts gegen Hygienevorschriften habe und dass mir Erklärungen für einige dieser Vorschriften bekannt sind (z. B. dass es möglicherweise nicht gesund ist, auf dem Bauch zu schlafen), aber es erschließt sich mir nicht, wieso daraus göttliche Gesetze gemacht werden mussten, für deren Nichtbefolgung man zum Teil nach dem Tod sogar bestraft wird (in einem Hadith wird von Schreien eines Menschen berichtet, der in seinem Grab bestraft wurde, weil er sich nach dem Toilettengang nicht gründlich gereinigt hatte). Worum es mir mit diesen Beispielen islamischer Gesetze und Vorschriften aber vorrangig geht, ist dass sie auf das äußere Verhalten ausgerichtet sind.

3.3.2) Das Christentum
Lukas 11,39: „Ihr Pharisäer haltet die Becher und Schüsseln auswendig reinlich, aber euer Inwendiges ist voll Raubes und Bosheit.“
Jesus kritisierte äußere Gesetze, die den Menschen Lasten aufluden, ohne sie näher zu Gott zu bringen. Das bedeutet allerdings nicht, dass er den Menschen erlaubte, zu tun und zu lassen, was sie wollten, also in Sünde zu leben.
Die Grundsätze, nach denen Christen verpflichtet sind, zu leben, wurden von Jesus in zwei Geboten zusammengefasst (Lukas 10, 27):

– Du sollst Gott über alles lieben
– Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

(Und, Anmerkung von Pam: “Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, auf daß auch ihr einander liebhabet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.” (Joh. 13:34)

(Mt 22,36f):«Welches Gebot ist das grösste im Gesetz?» Jesus antwortete: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Vernunft (Dtn 6,5). Dies ist das erste und grösste Gebot. Das andere aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst »(Lev 19,18))

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Denn in diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten (Matthäus 22,40). Mit der Einhaltung dieser Gebote gehen eine ganze Reihe weiterer Gebote einher. Wer sich wirklich und wahrhaftig nach diesen zwei Geboten richtet, handelt fast automatisch nach Gottes Willen (und es ist manchmal wirklich äußerst schwierig, seinen Nächsten zu lieben…).

Meiner Ansicht nach bringen die Gebote, die aus der Lehre Jesu Christi hervorgehen, die Menschen Gott sehr viel näher, als die tägliche Waschung vor dem Gebet oder das Tragen eines Kopftuches, denn sie sind auf das Innere des Menschen ausgerichtet. Natürlich sind auch nicht alle islamischen Gesetze auf das Äußere ausgerichtet, doch würde der Islam den Fokus seiner Gesetze ähnlich legen, wie Jesus, würden die islamischen Schriften sicherlich auch nicht von derartig vielen Menschen (insbesondere Terroristen und Extremisten) missbraucht werden und weniger Arroganz unter den Gläubigen erzeugen.

Wer aber glaubt, sich gottgefällig zu verhalten, indem er sich vor den Gebeten äußerlich wäscht, aber es gleichzeitig gutheißt, einen Sünder auszupeitschen oder zu steinigen, der irrt. (Ich betone an dieser Stelle noch einmal, dass mir bewusst ist, dass nicht jeder Muslim Steinigungen und Auspeitschungen befürwortet und dass Muslime nicht prinzipiell arroganter sind, als Christen, doch mir fehlt einfach der Fokus der islamischen Schriften auf die wichtigen Dinge. Dieser ist im Neuen Testament der Bibel eindeutig gegeben.)

4.) Die Probleme mit dem Christentum

Als sich meine Kritikpunkte am Islam langsam häuften, tendierte ich zunächst zum Agnostizismus, da ich für meine Fragen zum Christentum keine Antworten finden konnte. Zudem hatte ich ja nun jahrelang um Rechtleitung gebetet und mir kam der Gedanke, dass Gott mich offenbar absichtlich in die Irre geführt hätte. Glücklicherweise fand ich in dieser Gruppe aber jemanden, der in der Lage war, mir durch die Beantwortung all meiner Fragen auf eine sehr freundliche und verständnisvolle Art und Weise sämtliche Zweifel am Christentum zu nehmen. Sozusagen mein Lebensretter 😀 Gott segne dich Luke

4.1) Gottes Sohn – Metaphorisch?
Als Muslim war ich davon überzeugt, dass die Bibel Jesus in der gleichen Weise als Gottes Sohn bezeichnete, wie auch andere wichtige Menschen bzw. Propheten. So bezeichnet Gott Israel kollektiv als „seinen erstgeborenen Sohn“ (2. Mose 4,22, Hosea 2,1) und auch Salomo erhielt diesen Titel (1. Chron. 28,6). Mir wurde anhand einiger Verse deutlich gemacht, dass ich mit meiner Interpretation falsch lag. Beispielsweise wird Jesus im Gleichnis von den bösen Weingärtnern als einziger Sohn bezeichnet (Markus 12,6), während die anderen Propheten Knechte waren. Sogar im Alten Testament (Sprüche 30,4) ist die Rede von bloß einem Sohn. Es gibt noch mehrere Verse, aber das soll erst mal reichen. Ich denke dabei immer an die Geschichte von Jesus und seinen Jüngern auf See. Es gab einen Moment, da wäre ich am liebsten auch vor Jesus niedergefallen und hätte gesagt: Du bist wahrlich Gottes Sohn! (Matthäus 14,33)

4.2) Dreieinigkeit
Mein Hauptproblem mit der Dreieinigkeit war, dass ich nicht glauben konnte, dass eine Lehre, die das Fundament des christlichen Glaubens darstellt, nicht eindeutig aus der Bibel hervorgeht. Warum sollte Gott sich auf so eine rätselhafte Art und Weise offenbaren? Warum hat Jesus nicht einfach explizit gesagt, wer er ist? Ich konnte mir das Ganze nur damit erklären, dass die Trinitätslehre von Menschen erfunden und fälschlicherweise in die Bibel hineininterpretiert wurde. Mir wurde jedoch eine neue Sichtweise aufgezeigt. Ich zitiere Mal meinen Lebensretter 🙂 :

Hast du dich nie gefragt warum Jesus so viel Wert darauf legt, für wen die Menschen ihn halten? Es gibt mehrere Stellen, wo er explizit danach fragt. Es passt demnach zu dem, was wir in der Bibel lesen. Ich glaube, dass es darum geht, herauszufinden, wer Jesus ist.“

Jesus will, dass wir unseren eigenen Verstand einsetzen, um zu erkennen, wer er ist. Es ist so, wie Alexandra K. Trenfor sagte: „The best teachers are those who show you where to look, but don’t tell you what to see.“ Denn wenn man genau hinsieht, die Bibel wirklich genau studiert, scheint alles darauf hinzudeuten, dass Jesus Gott ist. Liest man beispielsweise Sachraja 9, 12 und 14 und vergleicht diese Verse mit Psalm 72, Jesaja 40 und Daniel 7, fällt auf, dass es sich um die gleiche Geschichte über das kommende ewige Reich am Ende aller Tage handelt.

Nur bei Sacharja ist es Gott selbst, der König ist. In Psalm 72 ist es der Messias. In Daniel 7 der Menschensohn. All das sind Titel, die auf Jesus zutreffen. Auch in Philipper 2 wird die Dreieinigkeit sehr gut erklärt, welche Jesus mit Gott identifiziert, aber dennoch einen Unterschied zwischen ihm und dem Vater macht. In Kolosser 1 (Vers 15-20) wird beschrieben, dass durch Jesus alles geschaffen ist. Außerdem wird Jesus Gott genannt (Johannes 20,28) und erhält göttliche Titel wie „Alpha und Omega“ (Offenbarung 1,8; 22,13).

Ich verstehe jetzt, dass der Glaube an die Dreieinigkeit nicht bedeutet, Gott etwas beizugesellen. Ich glaube an einen einzigen Gott, der sich auf drei unterschiedliche Weisen offenbart. Der Qur’an beschreibt die Dreieinigkeit als die Annahme, Gott sei einer von dreien (Sure 5:73), doch diese Beschreibung trifft eindeutig nicht zu.

4.3) Ist die Bibel verfälscht?
Wenn nun die Kreuzigung, Gottessohnschaft und Göttlichkeit Jesu tatsächlich aus der Bibel hervorgehen, bleibt noch die Möglichkeit, dass der Text der Bibel verfälscht worden ist, so wie einige Muslime es glauben. Dies würde allerdings bedeuten, dass die Bibel fast komplett umgeschrieben worden sein müsste. Denn schließlich wird die Gottessohnschaft (Sprüche 30,4) und Kreuzigung (Jesaja 53,3-7) Jesu schon im Alten Testament erwähnt. Und natürlich beschreibt das Neue Testament die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu Christi (Markus 16; 1. Korinther 15 usw. usf.) sowie die Gottessohnschaft unmissverständlich. I

nteressanterweise verbietet Muhammad einem Hadith zufolge auch, während des Gebets nach oben (Richtung Himmel) zu blicken, sonst werde der Blick der betenden „nicht zu ihnen zurückkehren“ (Al-Bukhary, Muslim), während die Bibel davon berichtet, dass Jesus beim beten seine Augen gen Himmel hob (Johannes 17,1). Auch wird Gott in der Bibel als Vater bezeichnet, was Muslime entschieden ablehnen. Solches und noch einige andere Dinge müssten in der Bibel völlig umgeschrieben worden sein, ohne dass jemand es bemerkt hätte und zwar innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums – bereits die ersten Kirchenväter (z. B. Justin der Märtyrer, Irenäus, Clement von Alexandrien, uvm.) zitierten nämlich so oft aus dem Neuen Testament (über 30000 mal), dass es allein mittels dieser Zitate fast vollständig rekonstruiert werden könnte. Ich persönlich bezweifle stark, dass die christlichen Schriften und die Lehre Jesu in so kurzer Zeit unbemerkt derartig umgeändert worden sein können.

4.4) Komme ich jetzt in die Hölle, oder nicht?
Was mir letzten Endes noch lange zu schaffen gemacht hat, ist die Angst vor der Hölle. Der Islam gab mir nach wie vor ein Gefühl von Sicherheit, denn ich hatte ja einen ganzen Haufen Pflichten und ich glaubte ja auch als Muslim an Jesus. Als mir irgendwann bewusst wurde, dass der einzige Aspekt, der mich am Islam festhalten ließ, meine Angst war, kam ich mir ziemlich dumm vor.

Interessanterweise erwähnte mein christlicher Vater (der übrigens nichts von meinem Ausflug zum Islam weiß) kurz darauf ziemlich beiläufig, dass Angst eine der stärksten Waffen Satans sei. Dazu kann sich nun jeder seinen Teil denken – Vielleicht war das eine Botschaft, die direkt von Gott kam, vielleicht war das auch nur ein Zufall. Mir hat es jedenfalls geholfen, mich von meiner Angst zu lösen und stattdessen meinem Verstand zu folgen. Und schließlich stieß ich auf die folgende Bibelstelle:

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe.“ (1. Johannes 4, 18)

Wie könnte ich Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte lieben, wenn ich ihm nur diene, weil ich mich vor seiner Strafe fürchte? Das wäre keine vollkommene Liebe. Durch Jesus Christus habe ich gelernt, Gott wieder zu lieben.

5.) Schluss

Ich habe mich natürlich oft gefragt, warum Gott mich überhaupt zum Islam geführt hat, nachdem ich doch so lange dafür gebetet habe, dass er mir den richtigen Weg zeigen möge. Ayse hat mich schließlich darauf aufmerksam gemacht, dass Gott unsere Gebete selten so beantwortet, wie wir es erwarten. Und tatsächlich hat mein Ausflug zum Islam mir einiges gebracht: Ich hatte lange Angst davor, möglicherweise auf der falschen Seite zu stehen, einem falschen Glauben zu folgen und nach meinem Tod in der Hölle zu landen.

Da ich den Islam nun aus nächster Nähe kennengelernt habe, konnte ich mir eine Menge Wissen aneignen und sicher sagen, dass ich mich bewusst dagegen entscheide. Ich halte den Islam per se nach wie nicht für eine böse, gewalttätige Religion, doch ich habe genügend andere Gründe gefunden, um mich gegen ihn und damit für Jesus zu entscheiden.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, welchem Glauben er folgen will. Aber ich kann nur jedem eindringlich dazu raten, sich in aller Ausführlichkeit mit den verschiedenen Glaubensrichtungen auseinanderzusetzen. Für Muslime ist es wichtig und interessant, sich mit dem Judentum und dem Christentum zu beschäftigen (Sure 16,43) und zu überprüfen, was der Qur’an darüber lehrt. Und für Christen ist ebenso gut, z. B. jüdische Prophezeiungen zu lesen und sich zu überlegen, ob Jesus tatsächlich der verheißene Messias sein kann.

Gottes Segen an alle Gruppenmitglieder, möge er uns alle die Wahrheit erkennen lassen. Ich hoffe, wir sehen uns im Paradies wieder!

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