Wie oft steht „Liebe“ im Koran? (Manfred Kleine-Hartlage)

Von Manfred Kleine-Hartlage

Wie oft steht „Liebe“ im Koran?

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Der neulich schon zitierte Bericht der Südeutschen Zeitung über eine PI-Aktion in München endet  mit einer rhetorisch gemeinten Frage:

Ein anderer hat gezählt, wie oft das Wort „töten“ im Koran steht.

Referent Elfiky hat längst klargestellt, dass Terror für Muslime nach modernen Koranauslegungen keine Lösung sein könne. „Haben Sie mal gezählt, wie oft ,Liebe‘ im Koran steht, oder ,Verzeihen‘?“, fragt er zurück. Der Islamkritiker schüttelt den Kopf.

Nun, dem Manne kann geholfen werden. Ich selbst habe jede Zeile des Korans gelesen und eine Themenanalyse dermekkanischen und der medinensischen Suren veröffentlicht. Dabei habe ich zwar nicht nachgezählt, wie oft von „Liebe“ die Rede ist, aber auch ohne eine solche Zählung konnte ich schon sagen, dass die Liebe im Koran keine prominente Rolle spielt. Sofern davon überhaupt die Rede ist, geschieht es in Wendungen wie

Allah liebt keinen, der ein hartnäckiger Ungläubiger und Ubeltäter ist. (2;276)

oder

Wahrlich, Allah liebt diejenigen, die für Seine Sache kämpfen, (in eine Schlachtordnung) gereiht, als wären sie ein festgefügtes Mauerwerk. (61;4)

Aber gut, man kann natürlich auch nachzählen, allein schon, damit man in Zukunft auf derlei dusselige Fragen antworten kann. Zumal solche Zählungen heutzutage nicht mehr sehr aufwendig sind:

Da gibt es zum Beispiel die islamische Seite „searchtruth.com“, wo Koranübersetzungen in verschiedenen Sprachen veröffentlicht sind, darunter mehrere englische (leider nur eine einzige deutsche, deren Verfasser nicht angegeben wird) und die mit einer leistungsstarken Suchfunktion ausgestattet ist, die nicht nur die Anzahl der Treffer ausgibt, sondern auch die dazugehörigen Koranverse auflistet.

Die Zeichenkombination „lieb“ taucht in der deutschen Fassung 117mal auf, davon allerdings 27mal in dem Wort „blieb“ bzw. „geblieben“. Bleiben 90 Nennungen von Worten mit dem Wortstamm „lieb“. (Zum Vergleich: Die Zeichenkombination „ungläubig“ bringt es auf 349 Nennungen!)

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Es liegt in der Natur der Sache, dass ein solcher Wortstamm in verschiedenen Übersetzungen unterschiedlich häufig vorkommt. Um sicherzugehen, dass ich nicht womöglich eine Übersetzung erwischt habe, in der der Wortstamm „lieb“ ganz besonders selten erscheint, mache ich die Gegenprobe mit den vier angebotenen englischen Übersetzungen und der Zeichenkombination „love“: Da reicht die Spanne von 64 (Mohsin Khan) bis 93 Nennungen (Yusuf Ali). 90 Nennungen sind also eher im oberen Bereich.

Nun filtere ich die Wörter heraus, die mit Liebe im moralischen Sinne wenig zu tun haben, wie „beliebig“, „Liebhaber“, „missliebig“ und „Liebschaft“, außerdem Komparative („O mein Herr, mir ist das Gefängnis lieber als das, wozu sie mich auffordern“; 12,33),  und den Superlativ „am liebsten“ (22,72:“Sie möchten am liebsten über die herfallen, die ihnen Unsere Verse verlesen“). Bleiben 69 Nennungen. 16 davon beziehen sich nicht auf personale Liebe (zwischen Menschen oder zwischen Gott und den Menschen), sondern auf Dinge oder Begriffe.

(Für die, die es genau wissen wollen: 8mal lieben die Menschen das Diesseitige und werden dafür kritisiert, an 6 Stellen wird ihre Liebe zu Dingen ohne explizite Kritik erwähnt, an 2 Stellen ist Allah derjenige, der etwas nicht liebt (Unheil, böse Worte).)

Von personaler Liebe ist an ganzen 53 Stellen im Koran die Rede!

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Davon beziehen sich drei Viertel (41 Stellen) auf die Liebe Allahs, nicht etwa auf die Liebe der Menschen, schon gar nicht auf die Nächstenliebe. Dabei spricht der Koran fast genauso häufig (20mal) davon, wen Allah nicht liebt, wie davon, wen erliebt (21mal):

Kurz gesagt, liebt er die Muslime (die sich unterwerfen)  und sonst niemanden. Es gibt an keiner der genannten Stellen eine Aussage, aus der hervorginge, dass er die Menschen oder die Menschheit schlechthin liebt; und selbst die Muslime müssen sich noch durch Gehorsam für die Liebe Allahs qualifizieren. (Die anderen haben ihren Ungehorsam ja schon dadurch bewiesen, dass sie keine Muslime sind.)

An 12 Stellen geht es um die Liebe von Menschen: 3mal in dem negativen Sinne, dass nicht geliebt wird bzw. geliebt werden soll, 4mal wird die Liebe des Menschen zu Allah thematisiert. Bleiben 5 (in Worten: fünf!) Erwähnungen von Liebe im Sinne von zwischenmenschlicher Liebe:

Seht da! Ihr seid es, die ihr sie [die Ungläubigen] liebt, doch sie lieben euch nicht; und ihr glaubt an das ganze Buch. Und wenn sie euch begegnen, sagen sie: „Wir glauben“; sind sie jedoch allein, so beißen sie sich in die Fingerspitzen aus Grimm gegen euch. Sprich: „Sterbt an eurem Grimm.“ Siehe, Allah kennt das Innerste eurer Herzen. (3; 119)

Selbst an einer der wenigen Stellen, wo er die zwischenmenschliche Liebe überhaupt erwähnt, predigt der Koran noch Hass.

Wahrlich, du kannst dem den Weg nicht weisen, den du liebst; Allah aber weist dem den Weg, dem Er will; und Er kennt jene am besten, die die Führung annehmen. (28; 56)

Dies ist es, wovon Allah Seinen Dienern, die glauben und gute Werke tun, die frohe Botschaft gibt. Sprich: „Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, es sei denn die liebe zu den Verwandten.“ Und dem, der eine gute Tat begeht, verschönern Wir sie noch. Wahrlich, Allah ist Allverzeihend, Dankbar. (42; 23)

– andere Übersetzungen „Liebe wie zu Verwandten“; hier geht es um die Liebe zum Propheten –

zu liebevollen Altersgenossinnen (56; 37)

Und jene, die vor ihnen in der Behausung (des Islam) wohnten und im Glauben heimisch geworden sind, lieben jene, die bei ihnen Zuflucht suchten, und hegen in sich kein Verlangen nach dem, was ihnen gegeben wurde, sondern sehen (die Flüchtlinge gern) vor ihnen selbst bevorzugt, auch wenn sie selbst in Dürftigkeit leben. Und wer vor seiner eigenen Habsucht bewahrt ist – das sind die Erfolgreichen. (59;9)

Das ist die einzige Stelle, die etwas mit Nächstenliebe zu tun hat – wenn man darüber hinwegsieht, dass diese auch hier exklusiv für Muslime vorgesehen ist.

Nur für den Fall, dass Euch jemand fragt, wie oft im Koran von Liebe die Rede istzitat-mohammed-war-puritaner-er-wollte-den-genuss-aus-der-welt-schaffen-auch-wenn-dieser-niemanden-stendhal-232617

Übrigens: Die Silben „kampf“ und „kämpf“ kommen insgesamt 107mal vor; und fast immer ist der militärische Kampf für den Islam gemeint.

korrektheiten.com/2010/03/24/wie-oft-steht-liebe-im-koran/

 



WAS SAGT DER ISLAM ÜBER DIE LIEBE?

Der Islam unterscheidet zwischen der Art der Liebe, die Gott den Menschen schenkt und derer, die Menschen ihm gegenüber sowie zueinander empfinden.
Im Koran bezeichnet Gott sich eher selten als liebevoll. Vorherrschend sind Beschreibungen seiner Barmherzigkeit und Gnade; betont werden weiter vor allem die Einzigartigkeit und Einheit Gottes (arabisch: tauhid), seine Allmacht und seine Gerechtigkeit.

Die Idee von einem „Gott der Liebe“ ist in Anlehnung an einige Versstellen im Neuen Testament (z.B. 2. Korinther 13,11 und 1. Johannes 4,8) vor allem eine christliche. Die göttliche Liebe ist nach Auffassung der Christen eine der zentralen Botschaften der Bibel.

(Bei aller berechtigten Kritik an der Praxis der Kirchen unterscheidet sich die ursprüngliche Lehre von Jesus in diesem Punkt von der von Mohammed komplett)

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Einige Muslime lehnen die Vorstellung, dass zwischen Gott und den Menschen überhaupt Liebe bestehen könnte, ab, da Gott vollkommen andersartig als der Mensch sei und daher keine ihnen ähnliche Gefühle haben könne. Für andere Muslime jedoch drückt sich die göttliche Liebe zu den Gläubigen in der Sendung des Propheten Muhammad und seiner Offenbarung aus; vor allem Koran und Sunna geben den Menschen eine Richtschnur für ihr Leben. Halten sie sich an die islamischen Ge- und Verbote, gehen sie nach dem Tod in das Paradies ein, wo sie für alle Zeiten in Gottes Gegenwart leben werden. Wer sich jedoch nicht an die göttlichen Gesetze hält, schlägt gewissermaßen seine Liebe aus. Nach dem Koran entzieht Gott ihnen daraufhin ebenfalls seine Liebe; er liebt nur die Gläubigen und leitet diejenigen auf gute Wege, die seinen Willen erfüllen („Sag: ‚Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, damit euch Gott liebt und euch eure Sünden vergibt!‘ Gott ist voller Vergebung und barmherzig. Sag: ‚Gehorcht Gott und dem Gesandten!‘ Doch wenn sie sich abkehren – Gott liebt nicht die Ungläubigen.“, Sure 3, Vers 31-32).

Die Suche nach und das Aufgehen in der göttlichen Liebe steht im mystischen Islam im Mittelpunkt der Glaubenspraxis. Die Liebe zu Gott ist das eigentliche Endziel auf dem Weg zu ihm. Die Sufis richten somit ihre ganze Konzentration auf Gott, wobei sie ihr Selbst durch Askese und Meditation aufzugeben versuchen, um seine Gegenwart auf Erden immer stärker zu spüren und schließlich ihr gesamtes Bewusstsein mit Gott zu füllen und sich in ihm aufzulösen.

Vor allem mystische Muslime und Christen sind sich in ihrer Vorstellung von einem „Gott der Liebe“ also sehr nah. Ebenso verhält es sich mit der Nächstenliebe. Das höchste der Zehn Gebote in der Bibel ist auch im Islam verwurzelt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22,37-39). Zwar kommt das Gebot der Nächstenliebe nicht wortwörtlich im Koran vor, wohl aber in den Überlieferungen der Aussagen des Propheten (arabisch: sunna): „Jener Mensch ist gerecht, der für die anderen Menschen so viel Liebe aufbringt, wie viel er sich ihrer für sich selbst ersehnt.“ Nicht eindeutig ist jedoch, ob hier alle Menschen unabhängig ihres (Nicht)Glaubens gemeint sind oder nur Muslime.

Die Almosensteuer (arabisch: zakat), eine der fünf Säulen des Islams, kommt vor allem armen und bedürftigen Muslimen zugute. Für die meisten Muslime ist jedoch klar: Gerät ein Mensch in Not, erhält er Hilfe – egal, ob er glaubt oder nicht. Muslimische Hilfsorganisationen wie der Rote Halbmond sind zwar vor allem in islamischen Ländern aktiv, unterscheiden aber nicht zwischen den Menschen, wenn es um Blutspenden oder Lebensmittelhilfen geht.

Das Christentum betont, dass die Nächstenliebe auch die Liebe des Feindes mit einschließt. Hier ist der Islam zurückhaltender; zwar ist es für einen Muslim verdienstvoll, Böses mit Gutem zu vergelten, der Koran kennt jedoch auch das Prinzip der (gemäßigten) Rache (Sure 2, Vers 178).

Die Liebe zwischen zwei Menschen ist die Basis einer guten Beziehung – darin sind sich weltweit (fast) alle Menschen egal welcher Religion oder Kultur einig. Die meisten Menschen in Deutschland heiraten heute aus Liebe – auch Muslimas und Muslime. Nach dem islamischen Recht gilt die Ehe jedoch eher als ein Vertrag, nach dessen Abschluss der Mann und die Frau bestimmte Aufgaben im Familienleben erfüllen, Kinder bekommen und sich gegenseitig beerben.

In manchen traditionellen Familien kommt es zu arrangierten und zwanghaften Ehen, ohne dass Braut und Bräutigam einander kennen oder sich mögen. Die Familien argumentieren dabei häufig, der Islam schreibe ihnen das vor – tatsächlich entstammen diese Bräuche jedoch eher sehr alten Traditionen in ihren Herkunftsländern, zumal das islamische Recht ganz eindeutig das Einverständnis beider Eheleute fordert.
Zur Partnerschaft zwischen Mann und Frau steht im Koran Folgendes: „Und zu seinen Zeichen gehört, dass er euch aus euch selbst Ehefrauen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen ruht. Er hat Liebe und Barmherzigkeit zwischen euch geschaffen.“ (Sure 30, Vers 21). Nach den Aussprüchen des Propheten gehören weiter Respekt, Vertrauen und Treue zu einer guten Ehe.

Im islamischen Recht darf der Mann bis zu vier Frauen heiraten – vorausgesetzt, er kann ihnen dasselbe Maß an Liebe, Versorgung und Behandlung zukommen lassen. Die Frau muss muslimisch, jüdisch oder christlich sein, Anhängerinnen polytheistischer Religionen sind ihm verboten. Die Muslima muss einen Muslim heiraten, da sonst die Kinder möglicherweise nicht islamisch erzogen werden. Eine sexuelle Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Personen ist nicht möglich. Liebt sie oder er einen Menschen, der nach dem islamischen Recht als Ehepartner nicht erlaubt ist, darf es allenfalls zu einer Freundschaft – und nach einigen Islamgelehrten sogar noch nicht einmal das – kommen.

http://www.wasglaubstdudenn.de/node/143983

 

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